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Lesung von Sherko Fatah - Eine literarische Reise in den Irak

Sherko Fatah betritt den Raum. Plötzlich legt sich das Geflüster, es wird schlagartig ruhig.

Im Albert-Einstein-Gymnasium in Bischofsheim versammelten sich am Donnerstag, den 09.02.17, mehrere Kurse der Jahrgangsstufe Q2, um an einer Lesung des derzeitigen Stadtschreibers von Bergen teilzunehmen, welcher  für sein Gesamtwerk sowie vor allem für seinen 2014 erschienenen Roman „Der letzte Ort“ mit bedeutenden Auszeichnungen wie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2015 geehrt wurde.

Nach einer Willkommensrede durch den Schulleiter Claus Wörn stellte Fatah dem Publikum einige Passagen aus „Der letzte Ort“ vor.

Der Roman handelt von der Entführung eines deutschen Aussteigers namens  Albert und seinem Übersetzer Osama im Irak. Die gefühlsechte Schilderung der Situation, geprägt von Angst, Folter, Verzweiflung, jedoch ebenso von Hoffnung durch den Gedanken an eine mögliche Flucht, zieht die Zuhörer mehr und mehr in ihren Bann.

Letzteren war es nach der Lesung möglich, ihre persönlichen Fragen an den Autor zu richten. So berichtete dieser unter anderem, dass ihm die Besuche bei seiner irakischen Familie väterlicherseits sehr dabei geholfen hätten, die Gegend, in der die Handlung des Buches spielt, authentisch darzustellen, was ihm zufolge häufig eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit darstellt. Darüber hinaus gab er den Schülern Informationen zu der tatsächlichen Lage in den Grenzgebieten und dem doch relativ starken Kontrast zu dem Bild, das in den Medien vertreten ist. Krieg herrsche lange nicht überall im Irak, in einigen Regionen sei ein „normales“ Leben sogar durchaus möglich.

Bevor Sherko Fatah anfing, das Schreiben hauptberuflich auszuüben, studierte er Philosophie und Kunstgeschichte. Nicht mit dem Ziel, anschließend beruflich besonders erfolgreich zu sein, sondern aus Leidenschaft. Jedoch schien ihm von vornherein klar gewesen zu sein, dass ihn das Schreiben von Romanen mehr erfüllen würde als alles andere. Mit einer beeindruckenden Sicherheit sprach er so jene Thematik an, welche uns Schüler besonders beschäftigt, die wir kurz vor dem Abitur stehen:  der Spagat zwischen Karriere und dem  tatsächlichen Berufswunsch. Wichtig sei laut Fatah, dass man das, was man dann letztendlich wählt, gerne und mit einer gewissen Begeisterung tut. Er selbst bereue seine damalige Studienwahl nicht, obwohl er zu Studienbeginn gewarnt wurde, dass eine Jobsuche beinahe aussichtslos sei. Aber mit der Einstellung, zu viel lernen könne man nicht, konnte er sich mit verschiedenen Jobs finanzieren und hatte stets die Gewissheit, diese Jobs nicht immer ausüben zu müssen.

Mit den Worten „Bildung nützt immer“ schloss Sherko Fatah seine Lesung. Worte, die dem einen oder anderen Zuhörer noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

(Ayumi B. und Sabrina H., Q2)