Neuigkeit

Ein Ort voller Widersprüche und Intensität

Die Jahrgangsstufe Q1 besucht Weimar und Buchenwald

Vom 31. Oktober bis 2. November 2018 war es wieder soweit: Die gesamte Jahrgangsstufe der Q1 fuhr unter Federführung des gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichs II mit zwei Bussen nach Weimar und Buchenwald. Es ist das Anliegen des Fachbereichs, Schülerinnen und Schüler mit einem Ort deutscher Geschichte zu konfrontieren, der voller Widersprüche und Intensität ist. Begleitet wurden die 83 Schülerinnen und Schüler von den Lehrkräften Eva Förster-Geiss, Katja Kochalski, Helge Kater und Bernhard Siever.

Am ersten Tag standen eine Stadtführung durch Weimar und ein Besuch von Lessings Drama „Nathan der Weise“ im Deutschen Nationaltheater auf dem Programm. Am letzten Tag besuchten Teilgruppen das Goethehaus, eine Ausstellung zu Goethe und das Stadtmuseum. Im Mittelpunkt der Exkursion stand aber der ganztätige Besuch der Gedenkstätte Buchenwald, von dem im Folgenden die Q1-Schülerinnen Laura Groote und Clara Hofstätter berichten:

„Der zweite Tag unseres Weimaraufenthalts stand ganz im Zeichen der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Es war ein recht kühler Donnerstag und als wir mit gemischten Erwartungen und Gefühlen mit dem Bus den Ettersberg hochfuhren, herrschte auf einmal eine ganz andere Stimmung. Wir wurden von den Mitarbeitern der Gedenkstätte in Empfang genommen, die uns den Tag über in mehreren Gruppen pädagogisch begleitet haben. Innerhalb der Gruppen wurde das Programm dann individuell gestaltet, sodass es die Wünsche der Schüler berücksichtigte.

So stieg eine Gruppe beispielsweise mit Bildern von und über Buchenwald in das Thema ein, während eine andere sich zunächst den 30minütigen Einführungsfilm ansah.  Für die meisten von uns war dies der erste Besuch einer KZ Gedenkstätte, es war also wichtig sich erstmal einen groben Überblick zu verschaffen, was Buchenwald eigentlich bedeutet, bevor man sich detailliert mit dem Ort beschäftigen konnte. Es entstand jedoch schon beim Einstieg ein gewisses Gefühl, das den ganzen Tag über anhielt und auch stärker wurde, je mehr man sich mit dem Ort auseinandersetzte. Ein Gefühl von Verständnislosigkeit gegenüber den schrecklichen Verbrechen, die an diesem Ort begangen wurden.

Jede Gruppe nahm im Anschluss an einem geführten Rundgang durch das Gelände der Gedenkstätte teil, wobei unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb der Gruppen gesetzt wurden, wie beispielsweise der Caracho-Weg, das ehemalige Zoogelände der SS gegenüber dem Krematorium oder das Lagertor. Zu jedem dieser Orte gab es viele mitreißende und interessante Informationen, die einerseits zu Schocks oder Empörung, andererseits auch zu Betrübtheit und vor allem zu Anteilnahme geführt haben. Innerhalb der Gruppen entstand durch diese Emotionen aber auch ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, denn wir zeigten unsere Empfindungen ganz offen und haben versucht, uns gegenseitig zu trösten und für einander da zu sein. Aber auch die betreuenden Mitarbeiter und unsere Lehrer haben sich sehr einfühlsam gezeigt, haben uns oft Begleitung sowie Unterstützung angeboten.

Nach einer Mittagspause mit einer warmen Mahlzeit in der Kantine hatten sich alle etwas erholt und der zweite Teil des Programms stand an. Es ging weiter mit der Führung durch das ehemalige KZ, auch hier wurden wieder unterschiedliche Orte besichtigt und neue, bleibende Eindrücke gesammelt. Eine Station, die mit Sicherheit jeden von uns tief berührt und auch emotional mitgenommen hat, war das Krematorium mit darunterliegendem Leichenkeller. Die Vorstellung, dass solch schreckliche Taten genau an diesem Ort stattgefunden haben, wo unsere Füße in dem Moment gestanden hatten, hat viele überwältigt und zu Fassungslosigkeit geführt.

Die Ausstellung der Gedenkstätte im Kammergebäude hingegen konnten wir im Anschluss nochmal nutzen, um uns zu sammeln und gleichzeitig noch mehr Details zur Geschichte des KZs zu erfahren. Als wir schlussendlich unsere gesammelten Eindrücke über das, was uns überraschte und was wir definitiv von der Gedenkstätte mitnehmen werden, austauschten, waren wir uns alle einig: Es ist etwas ganz Anderes, tatsächlich selbst an dem Ort zu sein und selbst dort zu stehen. Das vergisst man (hoffentlich) nicht mehr.“

Auch Katharina Gries hat ein paar Gedanken zu der Exkursion zusammengestellt – teilweise sogar in Gedichtform:

 

Weimar – eine schöne Stadt.

Weimar schrieb Geschichte.

Und Goethe und Schiller?

Sie schrieben hier Gedichte.

 

Weimar – eine alte Stadt.

Weimar sah auch düst´re Zeiten.

Was bleibt ist die Erinnerung.

Die wird die Zukunft noch begleiten.

 

Weimar – eine Stadt der Kultur.

Weimar sah die Künstler.

Bekannte Literaten?

Hinterließen in Weimar ´ne Spur.

 

Weimar – eine schöne Stadt.

Weimar will ich wiederseh´n.

Wandern in Spuren der Geschichte.

Weimar: Du bist wunderschön.

 

Weimar… Vielleicht bin ich auch mal dort.

Bis dahin üb´ ich dichten.

Aber Goethe und Schiller?

Schrieben Gott sei Dank ja auch Geschichten.

 

Wieder einmal hat die jährliche dreitägige Studienfahrt nach Weimar stattgefunden. Vom 31. Oktober bis zum 2. November hatte die gesamte Q1 die Gelegenheit, Weimar zu erkunden und zu erleben.

Das Programm war strikt, aber interessant: Nach einer langen Busfahrt und ein wenig Zeit, die Zimmer zu beziehen und zu verschnaufen (in der einige auch die berühmte Thüringer Bratwurst kosten konnten), gab es direkt am Mittwoch eine Stadtführung, bei der wir viel über die Stadt gelernt haben:

Weimar ist bekannt als die Stadt, in der Goethe und Schiller, zwei der bedeutendsten Literaten der deutschen Geschichte, gelebt haben und sich begegnet sind. Im „Hotel Elefant“ sind Künstler aller Art abgestiegen. Lucas Cranach, berühmter Maler und Anhänger Luthers, hat seinen Lebensabend in Weimar verbracht.

Viele Altbauten, zum Teil nach dem 2. Weltkrieg wiederaufgebaut, schmücken die wunderschöne Stadt und es gibt viel zu sehen und zu erkunden. Nicht zu vergessen ist das Nationaltheater, in dem bereits Goethe und Schiller zusammengearbeitet haben.

In diesem haben wir am Abend nach etwas Freizeit eine moderne Inszenierung von Lessings „Nathan der Weise“ geboten bekommen. Wir wurden Zeugen von der interessanten Idee, in modernem Anzug und neumodischer Kleidung originale Texte vorzutragen und als Zuschauer war es unbestritten eine interessante Erfahrung.

Überschattet wird dieses hohe Aufgebot an Kultur allerdings von dem in unmittelbarer Nähe stehenden KZ Buchenwald, welches am Donnerstag besucht wurde.

Am Freitag standen wieder Geschichte und Kultur auf dem Plan. Ein Teil der Gruppe hatte die Gelegenheit, das Stadtmuseum zu besuchen, ein anderer Teil war im Goethehaus. Nachdem es eine Führung gab, in der wir etwas über Goethes Leben und seine Werke erfahren haben, hatten wir Gelegenheit, das Goethehaus zu besichtigen, in welchem die originale Einrichtung weitgehend wiederhergestellt worden ist.

Natürlich hatten wir nach dem täglichen Programm noch Zeit, unseren Abend frei zu gestalten und fuhren am Freitagnachmittag mit neuen Erfahrungen im Gepäck nach Hause. Das Fazit: Weimar ist in jedem Fall noch einen Besuch wert.