Kunstwerkstatt

Kunstwerkstatt als Konzept
von Frank Gieltowski

 

Das Fach Kunst leidet in der Schule häufig an der fehlenden Zeit, am Platzmangel, am Übersehen individueller Wünsche, am verpflichtenden Stoffplan, an den vom Lehrer vorgegebenen Inhalten, Aufgabenstellungen und Techniken. Auch wird häufig von Schülern die Schulatmosphäre als wenig kreativ beschrieben - es fällt einem nichts ein, man bringt nichts zustande.

Das Konzept Werkstatt geht einen anderen Weg, um künstlerische Arbeitsweisen möglich zu machen, Gestaltungsprozesse anzuregen, sich entwickeln zu lassen.

 

Die Aufgaben, Ziele und Techniken wählt der Schüler selbst; es gibt eine ungefähre Idee, Ahnung, Vorstellung von dem, was man machen will. Dann müssen Arbeitsweise, Zeitplanung und Materialwahl selbst entschieden werden. Auch der Arbeitsaufwand, das Ergebnis und das Ende der Arbeit werden, wenn auch zunächst unpräzise, abgeschätzt. Der Lehrer hilft, berät, plant mit, gibt Tipps, sofern dies notwendig und vom Schüler gewünscht ist. Die eigene Sichtweise ist bestimmend, die des Lehrers kann übergangen, übersehen werden. Vielleicht ist aber auch die Hilfe eines Mitschülers passender und wird angenommen. Die Werkstatt gibt Schülern einen Freiraum, den sie nutzen können, um eigenen Ideen, "fixen Spleens" oder anderen individuellen Kunstsehnsüchten nachzugehen. Auch wenn nur der große Arbeitsraum reizt, die Chance genutzt wird, Arbeiten aus dem Unterricht fertig zu machen - in der Werkstatt geht das.

Vielleicht muss man zuerst eine ganze Weile zusehen, weil noch keine Idee geboren ist: Man darf dasitzen, genießen, sich wundern und gar nichts tun. Erst dann erkennt man vielleicht eine Idee und weiß noch gar nicht, wohin sie führen kann.

Einen Weg zu suchen, zu scheitern, neu zu planen, zu überarbeiten, einen neuen Weg zu gehen, zu einem Ergebnis zu gelangen, das anfangs völlig unbekannt war - dies alles gehört zu den ureigenen Merkmalen kreativen Schaffens. Um die Erfahrung und Nutzung dieses kreativen Prozesses geht es in der Werkstatt. Zunächst in erster Linie für künstlerisches, handwerklich-gestalterisches Schaffen, später natürlich ebenso übertragbar auf kreative Arbeiten in anderen Bereichen. Dabei ist es wichtig, keinen engen Zeitrahmen, keinen AG-Charakter mit Teilnahmepflicht und kontinuierlicher Anwesenheit vorzugeben. Stattdessen darf der Schüler wählen, ob er das Angebot zeitweilig für ein einzelnes Projekt oder dauernd nutzen will. Beim Konzept Werkstatt liegt das Schwergewicht auf der Selbständigkeit und Eigenplanung des Einzelnen. Das verlangt viel, fördert aber auch vieles.

Dazu gehört auch, sich zu überschätzen, sich zuviel vorzunehmen, zu scheitern. Es bedarf einer 

gewissen Ausdauer und Standfestigkeit, sein Ziel zuerkennen und zu erreichen, dafür erntet derjenige, der durchhält, ehrliches Interesse, Zuspruch und Lob. Gelingt es, Schüler in diese ungewohnte Lern- Situation zu "locken", so kommt es erfahrungsgemäß während der gemeinsamen Einzelarbeit ganz allmählich zu der - von allen schöpferischen Menschen so geschätzten - Atmosphäre, in der Wohlbefinden, Idee und Umsetzung, Versuch und Irrtum, Erfolg und Scheitern, Kritik und Lob möglich werden. Und wer von dieser Atmosphäre einmal "genascht" hat, will sie immer wieder erleben, manch einer wird sogar süchtig danach...