Präventionskonzept der AES

Allgemeines

Die neuesten Untersuchungen zum Suchtmittelgebrauch- und Missbrauch junger Menschen belegen bzw. bestätigen, dass der Gruppe der Gleichaltrigen bzw. dem Freundeskreis eine erhebliche Bedeutung zukommt. Ab einem bestimmten Alter findet die Meinungsbildung vor allem innerhalb der Cliquen statt, denen Jugendliche angehören, Erwachsene verlieren dagegen an Einfluss.

In der Pubertät gibt die Gleichaltrigengruppe den Jugendlichen Halt und Orientierung, hier werden die ersten Beziehungen zum anderen Geschlecht geknüpft und hier wird durch gegenseitige Anerkennung und durch das Gefühl, dazuzugehören, sozialer Status gewährt oder verweigert.

Grenzen werden gesucht, die Risikobereitschaft wird austariert. Im Alter von spätestens 12-15 Jahren fangen Jugendliche an, Suchtmittel auszuprobieren, in der Regel Alkohol und Zigaretten. Dieser Suchtmittelkonsum findet fast immer im Freundeskreis statt, und dieser bestimmt ganz entscheidend mit, welche Bedeutung Suchtmittel innerhalb der Clique haben, wie mit ihnen umgegangen wird, wie sie bewertet werden. Die Zahlen belegen: Während insgesamt in der BRD die Zahl der Raucher in den letzten Jahren leicht abnahm, ist der Zigarettenkonsum unter Jugendlichen insbesondere unter den Mädchen stark gestiegen.

Hier wird klar, welche besondere Rolle der Schule als traditionellem Ort der Entstehung von Peer-Groups zukommt. Eine Schulklasse bildet ähnliche gruppendynamische Strukturen aus, wie sie für die Gleichaltrigengruppe bzw. Clique gelten. Das System Schule bietet deshalb für eine auf Langfristigkeit und Kontinuität ausgerichtete Suchtprävention einige Vorteile, auch wenn das alles überragende Primat der Wissensvermittlung die Präventionsarbeit erschweren kann.

Schule als Ort von Wissensvermittlung ist gleichzeitig Ort menschlichen Alltags und  daher nicht frei von Überforderungen, Frustrationen, Enttäuschungen und Konflikten, deren Bewältigung, neben der Bewältigung von außerschulischen und/oder familiären Problemen,  von Kindern und Jugendlichen eine sehr hohe Kompetenz  verlangt. Schule ist somit auch ein Lernort für soziale Kompetenz und Persönlichkeitsentwicklung, an dem Schüler die Unterstützung erfahren sollten,  die sie für das Meistern dieser wichtigen Aufgaben brauchen, um ihre Autonomie zu bewahren und nicht in der Scheinwelt der Sucht (mit oder ohne „Stoff“) ein tückisches Verarbeitungsmuster zu entwickeln.

Institutioneller Rahmen – gesetzlich-rechtliche Grundlagen

In § 3 Abs.6 des Hessischen Schulgesetzes von 1999 (in der jeweils gültigen Fassung) wird die Aufgabe schulischer Prävention formuliert: „Es ist Aufgabe der Schule , drohendem Leistungsversagen und anderen Beeinträchtigungen des Lernens, der Sprache sowie der körperlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung mit vorbeugenden Maßnahmen entgegenzuwirken“. Die Schule hat unter Beachtung ihrer strukturellen und organisatorischen Gegebenheiten diese Aufgabe zu erfüllen.

Der Erlass „Suchtprävention in der Schule“ (Erlass des Hess. Kultusministers vom 15.07.1997, Az. V A 2-540/53-600) greift den in § 2 des Hessischen Schulgesetzes formulierten Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule auf. Zu diesem Auftrag gehört, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, ihr zukünftiges privates, berufliches und öffentliches Leben auszufüllen, bei fortschreitender Veränderungen die wachsenden Anforderungen zu bewältigen und die Freizeit sinnvoll zu nutzen.

Eine zentrale Aufgabe schulischer Bildung und Erziehung ist, zum Aufbau einer gefestigten Persönlichkeitsstruktur und umfangreichen Lebenskompetenz beizutragen.

Zur Erfüllung des Auftrags der schulischen Suchtprävention ist ein schuleigenes Präventionskonzept zu entwickeln (Erlass „Suchtprävention in der Schule“, Abschnitt II).

Die Ernennung einer Beratungslehrerin oder eines Beratungslehrers für Suchtprävention ist im o.g. Erlass vorgesehen, ihr oder sein Aufgabenfeld ist im Absatz 3.3.1. beschrieben und wird deshalb hier nicht weiter erörtert.

An der AES findet die regelmäßige Sprechstunde der Beratungslehrerin, Frau Schillinger, Dipl. Päd., OStRn montags in der 7. Stunde (Mittagspause, 13:15 h bis 14 h) statt. Um Voranmeldung wird gebeten.

Spezifische Präventionsziele der AES

Das Präventions- und Interventionskonzept der AES als Teil des Schulprogramms dient der Drogen- und Suchtprävention bzw. als Handlungsrichtlinie bei Drogenkonflikten einzelner Schülerinnen und Schüler sowie bei diesbezüglichen Verstöße gegen schulische Normen (Schulordnung).

Mobbing- und Gewaltprävention ist ebenfalls Gegenstand der Präventionsarbeit an der AES. Hierzu wurde ein schuleigenes Programm entwickelt. (siehe Soziales Lernen ? Link).

Neben der Erfüllung des Bildungsauftrages soll die schulische Erziehung in der AES die Persönlichkeitsentwicklung unterstützen, indem sie

  • zu Selbständigkeit und Selbstverantwortung erzieht,
  • das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen fördert,
  • zur Konfliktfähigkeit hinführt und die Frustrationstoleranz erhöht,
  • die Kontakt- und Beziehungsfähigkeit entwickelt,
  • die emotionale Erlebnisfähigkeit fördert.

Diese Erziehungsziele sind im Sinne eines allgemeinen Präventionsverständnisses auf psychosoziale Eigenschaften und Fähigkeiten gerichtet, die die Persönlichkeit der einzelnen Schülerin / des einzelnen Schülers stärken und vor Gefährdungen und Fehlentwicklungen schützen soll. Dabei soll nicht vergessen werden, dass Kinder Grenzen als Sicherheit brauchen.

Neben dem Verfolgen der oben genannten emotionalen Erziehungsziele findet auch die reine Information der Schüler über Sucht und Suchtgefahren bzw. über die Folgen des Konsums legaler wie illegaler Drogen statt. Auch das Aufzeigen der Gefahren von nichtstoffgebundenen Süchten soll in adäquater Form erfolgen.

Der Schwerpunkt der Drogen- und Suchtprävention an der AES liegt im Bereich der Primärprävention. Unter Primärprävention ist das weite Feld der Vorbeugung im Vorfeld der Suchtgefährdung zu verstehen. Unter Sekundärprävention ist die Vorbeugung für Sucht- und Drogengefährdete (Raucher, Alkoholkonsumenten, Probierer illegaler Drogen) gemeint.  Nach den von der Forschung gelieferten Daten muss davon ausgegangen werden, dass es in diesem Sinne keine drogenfreien Schulen mehr gibt.

Für die Präventionsarbeit der AES bedeutet dies, dass eine Arbeit im Sekundärpräventionsbereich notwendig ist. Nicht zuletzt deshalb besteht seit Jahren zwischen der AES und der Aufsuchenden Suchtberatung Maintal, Trägerverein Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. in Frankfurt  (www.drogenberatung-jj.de) eine sehr enge Zusammenarbeit, konkretisiert in Form einer  Kooperationsvereinbarung.

A - Präventionsziele im Bereich der Primärprävention

  • Förderung des Gefühls der Geborgenheit und der Angstfreiheit
  • Förderung von Lebenskompetenz, Selbstbestimmung und Selbstverantwortung.
  • Entwicklung von Leistungs- und Kommunikationskompetenzen
  • Bewusstmachung von Werten und Normen und Förderung von deren Akzeptanz
  • Förderung von Konfliktfähigkeit
  • Förderung der Fähigkeit, Gefühle, Wünsche und Interessen auszudrücken
  • Vermittlung eines gesundheitsbewussten Handelns
  • Bereitstellen von Verhaltensalternativen, die einen Suchtmittelkonsum verhindern helfen bzw. unnötig machen
  • Gruppenfähigkeit, Fähigkeiten zum Widerstehen gegenüber Gruppendruck und Verführungssituationen

 

 

B - Präventionsziele im Bereich der Sekundärprävention

  • Umsetzung des vom Hessischen  Kultusministeriums. erlassenen Rauchverbots in allen
  • schulischen Bereichen
  • Verringerung des Alkoholkonsums bzw. Hinführung zum kontrollierten Trinken, d.h.,
  • zum Trinken als kulturellem Genuss wie in westlich geprägten Gesellschaften üblich.
  • Ausschluss von Suchtmittelkonsum im Bereich des Schulgeländes.
  • Verhinderung der Verteilung von Drogen auf dem Schulgelände.
  • Suchtgefährdeten Schülern Möglichkeiten bieten, Hilfen anzunehmen.
  • Die Zusammenarbeit mit dem schulpsychologischen Dienst und der Präventionsstelle des
  • Staatlichen Schulamtes Hanau und außerschulischen Institutionen fördern, insbesondere die
  • Kooperation mit unseren Kooperationspartnern (? Link) pflegen.

Maßnahmen und Aktionen

Das Rauchen ist grundsätzlich für ALLE, also auch für Besucher, auf dem Schulgelände verboten (Hessisches Schulgesetz).

Die konkrete allgemeine Präventionsarbeit findet in Form von Workshops statt, die von außerschulischen Referenten durchgeführt werden, in der Unter- und Mittelstufe in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Klassenlehrer.

A -  Workshops der  6. Klassen zum Thema Tabak und der 7. Klassen zum Thema Alkohol

Diese zwei Suchtstoffe sind die in der Pubertät von Jungendlichen bevorzugten. Die Workshops dienen sowohl der Sachinformation über die genannten Suchtstoffe als auch der Reflexion zum eigenen Suchtverhalten und der Klärung, wie Sucht entstehen und sich entwickeln kann.

B -  Der Elternabend der 7. Klassen

Der Elternabend dient der umfassenden Information der Eltern der Schüler der 7. Klassen über die jetzt einsetzende Phase der Pubertät und die damit verbundenen Risiken. Handlungshinweise werden bei Nachfrage gegeben, den Eltern wird die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches geboten.

C -  Workshop der 8. Klassen: Rausch und Risiko 

Die Menschheitsgeschichte beweist, dass das Bedürfnis nach Rausch bzw. dem Eingehen von Risiken tief im Einzelnen verwurzelt liegt. Die Verführung ist für Jugendliche sehr groß Rauschformen auszuprobieren (z.B.  „Komasaufen“) oder Risiken aller Art einzugehen (z.B. Geschwindigkeit) um die eigenen Grenzen zu erkunden. Dabei können sie meist das eingegangene Risiko nicht einschätzen, schlimme Folgen können wir leider immer wieder der Tagespresse entnehmen. Die Schüler werden im Workshop ermutigt (kontrollierte) Risiken einzugehen und die dabei gemachten Erfahrungen für sich selbst und ihr Risikoverhalten auszuwerten.

Zusätzlich findet in den 8. Klassen ein Workshop zur Aidsaufklärung- bzw. Prävention in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Hanau statt (in Zusammenhang mit dem Biologie Lehrplan, Sexualkunde).

D -  Workshop der 9. Klassen: Entspannung und Glück

Was ist Glück? Wann fühle ich mich glücklich und warum? Ist das Verliebtsein die einzige Glücksquelle oder was brauche ich, um mich glücklich zu fühlen, und natürlich: Was brauche ich dafür nicht? Kann man Glück bewusst herbeiführen? Entspannung als Teil des Glücksgefühls, wie geht das? Ein Workshop, der Reflexion und Handlungsvorschläge für die Schüler als Vorbereitung auf das Leben bietet.

E -  Zukunftstag der Oberstufe

Das wahre Leben rückt näher, das Abitur auch, und der Stress steigt. Schüler müssen lernen mit diesem auch dem Berufsleben innewohnenden Phänomen umzugehen. Möglicherweise sind erste unvermeidbare Erfahrungen mit Rauschmitteln und Risiken aller Art schon gemacht worden.  Der Zukunftstag: Eine Pause im Schulalltag, die der Selbsterfahrung dient, nicht zuletzt als Teil einer Berufsorientierung: Wer bin ich und was will ich? Wie soll ich meine Zukunft gestalten, so wie ich bin? Den Jugendlichen soll der Zugang zu einer realistischen Einstellung der eigenen Persönlichkeit ermöglicht werden, der Blick wird auf die  vorhandenen Fähigkeiten und das persönliche Gesamtpotential gerichtet. Jenseits von Schulerfolg oder Misserfolg soll, im Sinne einer Förderung der Entwicklung eines gesunden Narzismus, eine stabile Persönlichkeit herausgebildet werden.

Den Schülern soll die Gelegenheit gegeben werden, da der Austritt aus der Schule in greifbarer Nähe gerückt ist, sich auf sich selbst zu konzentrieren,  sich zu orten und zu orientieren. Sekundärprävention steht im Mittelpunkt. Ich-Stärkung und Entwicklung sozialer Kompetenzen bilden den Leitfaden der Workshops (zu denen die Schüler sich persönlich anmelden) mit außerschulischen Fachreferenten aus den Bereichen Jugendarbeit, Sozialarbeit, Suchtberatung, Psychologie, aber auch mit  Beratern von Arbeitsämtern und Universitäten sowie Coaching Spezialisten.