Neuigkeit

„Anders als bei uns“

Einsteinschüler fasziniert von der kulturellen Vielfalt Sri Lankas

Am vergangenen Donnerstag sind zehn Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule und die begleitenden Lehrkräfte Claire Lambrecht und Marc Schroeder von einem zweiwöchigen Schülerautausch aus Sri Lanka zurückgekehrt. Es war bereits die zweite Austauschfahrt, die das Gymnasium in den Inselstaat im Indischen Ozean unternommen hat.  

In der ersten Woche besuchten die sechs Mädchen und vier Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren ihre Partnerschule, das Wisdom International College, in Beruwala. Initiiert worden war der Kontakt im Jahr 2015 von Altlandrat Karl Eyerkaufer, der bereits seit Jahren als Vertreter des Main-Kinzig-Kreises partnerschaftliche Beziehungen zu diesem Ort an der Südwestküste Sri Lankas unterhält und dort vor allem seit den verheerenden Folgen des Tsunamis 2004 zahlreiche Hilfsprojekte betreut. 

Bereits einen Tag nach ihrer Ankunft in Sri Lanka durften die Jugendlichen im Namen ihrer Schule einer armen buddhistischen Familie in feierlichem Rahmen ein Holzhaus übergeben. Über Kuchenverkäufe in den Pausen, Rosenverkäufe an Valentinstag und private Spenden hatten die Schülerinnen und Schüler dieses und des letzten Austauschs etwa 1000 Euro gesammelt, mit denen sie das Haus finanzieren konnten. Ihren Dank drückte die verwitwete Besitzerin, die mit ihrer Tochter und ihrer fast achtzigjährigen Mutter nun in einem festen, ca. 30 qm großen Haus mit wasserdichtem Dach und Außentoilette wohnen kann, in einem rührenden Brief an die Schüler und Lehrer aus.

Einen Tag später lernten die Einsteinschüler zum ersten Mal persönlich ihre Austauschschüler und die Partnerschule, das Wisdom International College, kennen. Begleitet von stimmungsvollen Tönen der festlich herausgeputzten Schulkapelle zogen die deutschen und sri-lankischen Schüler und Lehrer, das Ehepaar Eyerkaufer sowie eine kleine Delegation von Sponsoren aus dem Main-Kinzig-Kreis in die Schule ein. An der obligatorischen Montagmorgenversammlung nahm die gesamte Schule teil und begrüßte in einem offiziellen Festakt ihre Gäste aus Deutschland. Es wurden von beiden Seiten Reden gehalten, die Schulhymne sowie die deutsche und sri-lankische Nationalhymne gespielt. Anschließend gab es einen Rundgang durch die Schule und die Gelegenheit, sich in persönlichen Gesprächen besser kennen zu lernen.          

Während der ersten Woche in Beruwala besuchten die Schülerinnen und Schüler aus Maintal vormittags das Wisdom College und nahmen mit ihren Austauschpartnern am Unterricht teil. So standen für sie u.a. die Fächer Englisch, Tamil, Islam, Buddhismus, Geschichte, Chemie, Science und Mathematik auf der Stundentafel. Da die Unterrichtssprache an dem College Englisch ist und sich die Austauschschüler nur über die englische Sprache miteinander verständigen konnten, war ein Zuwachs ihrer Sprachkenntnisse schon nach wenigen Tagen deutlich erkennbar. Die Schüler konnten in dieser Zeit feststellen, dass es durchaus Gemeinsamkeiten zwischen dem sri-lankischen und dem deutschen Schulsystem gibt, etwa was den Fächerkanon betrifft, und dass sich ihr Gymnasium in anderen Bereichen aber auch deutlich vom Wisdom International College unterscheidet. Obwohl es eine Privatschule ist, die sich vor allem aus dem Schulgeld finanziert, ist ihre materielle Ausstattung mit einer Schule in Deutschland nicht vergleichbar. Auch werden in dieser Einrichtung, weil sie vor allem von Muslimen besucht und geführt wird, die Mädchen und Jungen getrennt voneinander unterrichtet, was für die Einsteinschüler etwas befremdlich war.    

Die überaus großzügige Gastfreundschaft der Austauschfamilien erfuhren die Besucher aus Deutschland mehrfach täglich, wenn sie in die Häuser ihrer Austauschpartner zum Essen eingeladen wurden. Sie wurden mit den leckersten Köstlichkeiten der sri-lankischen Küche verwöhnt und wie langjährige Freunde in die Familie aufgenommen. Die Schüler und Lehrer haben viel gelacht, aber auch das ein oder andere ernsthafte Gespräch geführt, in dem eine Menge Interessantes über das andere Land und die fremde Kultur gelernt werden konnte. Auch im persönlichen Bereich haben die Jugendlichen in dieser Zeit einen sichtbaren Reifeprozess durchgemacht. Dadurch, dass sie sich immer wieder mit fremden Sitten und Gepflogenheiten und neuen Menschen und deren Ansichten auseinandersetzen mussten, sind sie offener und toleranter, aber auch selbstbewusster geworden.    

An den Nachmittagen der ersten Woche stand der Besuch verschiedener Projekte und Einrichtungen des Main-Kinzig-Kreises an. So hatte die Schülergruppe aus Deutschland zum Beispiel die Gelegenheit, zwei Brillenaktionen beizuwohnen, bei denen sich Menschen, die sich keine Brille leisten können, eine passende gespendete Brille aussuchen durften. Sie lernten eine muslimische Mädchenschule, eine buddhistische Grundschule, ein Altenheim, einen Kindergarten und eine Zahnklinik kennen. Auch durften die Mädchen und Jungen aus Maintal neben ihrem eigenen Haus noch weitere Häuser an bedürftige Familien übergeben. Einen besonders prägenden Eindruck hat ein Waisenhaus auf die Jugendlichen hinterlassen, das von teilweise schwerstbehinderten Kindern bewohnt wird, die weder von ihren Familien noch von der Gesellschaft gewollt sind oder unterstützt werden.  

Den zweiten Teil der Austauschfahrt bildete für die Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule und ihre Austauschpartner aus Beruwala sowie für die begleitenden Lehrkräfte eine kleine Rundreise im Zentrum der Insel. Als Ausgangspunkt diente Kandy, die letzte Königsmetropole Sri Lankas. Die deutsche Gruppe war während dieser fünf Tage im Mowbray College, einer christlich geprägten Mädchenschule mit angeschlossenem Internat, untergebracht; ein Kontakt, der vom Goethe-Institut in Colombo hergestellt worden war, da an dieser Schule einige Mädchen auch im Fach Deutsch unterrichtet werden. Die Unterkunft war zwar deutlich einfacher und spartanischer als die in der ersten Woche und mit deutschem Standard kaum zu vergleichen, dafür war der Empfang der deutschen Besucher wieder außergewöhnlich herzlich und überwältigend gastfreundlich. Dass auch diese Erfahrungen einen solchen Austausch besonders wertvoll machen können, verdeutlicht die Aussage eines  Einsteinschülers, der seinen ersten Eindruck der Herberge wie folgt zusammenfasst: „Man lernt zu verzichten. Und man erfährt auch, dass es woanders eben anders ist als bei uns.“   

Gemeinsam mit den Austauschpartnern des Wisdom International College und einer Schülergruppe des Mowbray College erlebten die Jugendlichen aus Maintal in Kandy und Umgebung ein überaus interessantes und vielfältiges kulturelles Programm. So standen u.a. der Besuch des Pinnawela-Elefantenwaisenhauses, des Hunuman Hindu Tempels, des Botanischen Gartens und des buddhistischen Zahntempels auf der Agenda. Die Gruppe wohnte einer hinduistischen Hochzeit bei und besichtigte die Teeplantagen im Hochland und zahlreiche Wasserfälle. Den Abschluss der kulturellen Sehenswürdigkeiten bildete die Besteigung der historischen Felsenfestung Sigiriya, der berühmte „Löwenfelsen“, der 1982 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden war.      

Am Abflugtag wurde die deutsch-sri-lankische Schülergruppe vom Goethe-Institut in Colombo empfangen, wo die Jugendlichen in einem Kochworkshop gemeinsam typisch deutsche und sri-lankische Speisen zubereiteten, bevor es am Nachmittag zum Flughafen ging. Dort hieß es dann erst einmal Abschied nehmen von den Austauschpartnern, die einem in den knapp zwei Wochen sehr vertraut und inzwischen zu guten Freunden geworden waren. Entsprechend gedrückt war auch die Stimmung auf beiden Seiten und es floss sogar die ein oder andere Träne. Allerdings muss nicht mehr allzu lange auf ein Wiedersehen gewartet werden, denn bereits im April nächsten Jahres werden die sri-lankischen Austauschschüler zum Gegenbesuch in Maintal erwartet.

Noch auf dem Flug nach Hause, beim nächtlichen Zwischenstopp in Muskat, zogen die müden und erschöpften, aber durch viele unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen reicher gewordenen Einsteinschüler ihr Fazit: „Der Austausch mit Sri Lanka ist kein `gewöhnlicher` Austausch, deswegen haben wir teilgenommen. Es war eine einmalige Erfahrung und wenn wir könnten, würden wir im nächsten Jahr in genau dieser Zusammensetzung wieder daran teilnehmen!“

Claire Lambrecht

 

 

Brief

Schüleraustausch in Sri Lanka 2017

Vom 27.10.2017 bis zum 8.11.2017 fand dieses Jahr zum zweiten Mal überhaupt der Schüleraustausch mit unserer Partnerschule in Sri Lanka statt. Insgesamt bestand unsere Gruppe aus zehn SchülerInnen und zwei Lehrern. Außerdem wurden wir noch von Herrn Eyerkaufer und einigen Sponsoren begleitet, die uns die Möglichkeit gegeben haben, an Einweihungszeremonien von gespendeten Häusern und anderen sozialen Einrichtungen teilzuhaben.

Das Programm unseres Austauschs war sehr bunt und interessant gestaltet. Nachdem wir uns nach der langen und anstrengenden Reise zunächst etwas im Guesthouse in Beruwala ausruhen konnten, begann das Programm mit dem Kennenlernen unserer Austauschschüler. Wir wurden jeden Tag sowohl zum Mittag- als auch zum Abendessen bei jeweils einer der Familien eingeladen. Wir wurden jedes Mal sehr herzlich und mit großer Gastfreundschaft empfangen. Auch mit unseren Austauschpartnern haben wir uns alle sehr gut verstanden.

Besondere Highlights des Programms der ersten Woche waren die Einweihungszeremonien, an denen wir teilhaben durften. Auch die Einweihung des Hauses, was wir gespendet haben, war für uns alle ein sehr besonderer Moment, da wir durch beispielsweise den Kuchenverkauf an unserer Schule das Geld für dieses Haus zusammengetragen und gespendet haben. Auf diese Weise konnten wir eine Familie, die ihr Haus beim Tsunami verloren hat, glücklich machen und ihnen eine schöne neue Unterkunft bieten. Zusammenhängend mit dieser Einweihung hat außerdem noch eine Brillenaktion stattgefunden. Jeder Schüler hatte ein Paket mit vorher gesammelten und gespendeten Brillen im Koffer. Diese Brillen wurden dann auf einem großen Tisch aufgebaut und an die Anwohner verteilt.  Auch die Empfangszeremonie im Wisdom International College in Beruwala war ein besonderes Erlebnis dieser Reise, da wir von der kompletten Schule mit sehr großem Aufwand empfangen wurden. Des Weiteren haben wir in der ersten Woche unseres Aufenthalts noch ein Altenheim, einen Kindergarten, eine Zahnklinik und mehrere Schulen besucht. Auch das Fußballspielen auf einem Häuserdach in einem etwas abgelegeneren Ort wurde vor allem von den Jungs als ein weiteres Highlight empfunden.

 

Als wir dann nach unserem Aufenthalt in Beruwala nach Kandy aufgebrochen sind, haben wir unterwegs ein Elefantenwaisenhaus besucht und durften dabei sein, als die Elefanten gebadet haben. Im Mowbray-College in Kandy wurden wir auch sehr herzlich empfangen. Wir haben auch direkt im College in einer Art Hostel übernachtet. Dies war zwar „abenteuerlich“ und wirklich etwas schwierig, da wir alle mehr oder weniger in einem Raum geschlafen haben, jedoch hat es sich schon allein des Programms wegen gelohnt.

Unser Programm in Kandy war eher touristischer Natur. Wir haben einige Tempel, unter anderem auch den berühmten Zahntempel, besucht. Auch der Besuch des „Löwenfelsens“ Sigiriya, der auch Teil des Unesco Weltkulturerbes ist, wurde von allen als ein besonderes Highlight dieser Woche empfunden. Es war zwar sehr anstrengend, die Treppenstufen in luftiger Höhe zu erklimmen, doch der Ausblick von oben war es definitiv wert. Besonders schön war es auch, dass unsere Austauschpartner aus Beruwala fast alle mitkommen und uns auf unseren Ausflügen begleiten durften. Außerdem haben wir eine Teefabrik besucht, wo wir nachvollziehen konnten, wie der spezielle schwarze Tee in Sri Lanka produziert wird. Auch die Teilnahme an einer hinduistischen Hochzeitszeremonie und der Besuch eines botanischen Gartens waren Teil unseres vielfältigen Programms. Dadurch, dass wir oft etwas längere Fahrten zu bewältigen hatten, haben wir die Möglichkeit bekommen, viel von der Landschaft dieses schönen Landes zu sehen und zu bewundern.

Bevor wir uns dann nach sehr lehrreichen und schönen, aber auch sehr anstrengenden zwei Wochen wieder auf den Weg nach Deutschland machten, waren wir zu Gast im Goethe-Institut in Colombo. Dort haben wir an Kochworkshops teilgenommen und unter anderem frische Mango-Papaya Marmelade gekocht.

 

Alles in allem war es ein unglaublich schöner, interessanter und auch sehr lehrreicher Schüleraustausch. Es ist auch einfach etwas komplett anderes gewesen, als beispielsweise ein Austausch nach Spanien, Frankreich oder in die USA. In Sri Lanka ist die Mentalität der Menschen eine ganz andere. Alle sind dort sehr gastfreundlich und wenn man jemanden anlächelt, bekommt man immer ein Lächeln zurück. Trotzdem leben viele Menschen und Familien in sehr armen Verhältnissen, da die Kluft zwischen Arm und Reich dort viel extremer ist als beispielsweise hier in Deutschland. So etwas wie eine Mittelschicht gibt es dort nicht wirklich.

Auch wenn wir während unseres Austauschs einige abenteuerliche Dinge zu bewältigen hatten, hat sich für uns alle der Austausch sehr gelohnt. Die Erfahrungen und Eindrücke, die wir gesammelt haben, sind unvergesslich. Es war einfach sehr interessant, ein Land kennenzulernen, das so anders ist als Deutschland. Nachdem man gesehen hat, wie manche Menschen dort leben, weiß man alles, was man hier hat, viel mehr zu schätzen. Ich finde es einfach toll, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, so viel in diesen zwei Wochen zu erleben und zu sehen. Es gab zwar auch sehr anstrengende Tage, an denen wir sehr viel vorhatten, jedoch hat es sich alles absolut gelohnt. Auch die Zusammenarbeit mit Herrn Eyerkaufer und den Sponsoren war sehr schön und interessant und es herrschte ein gutes Klima in unserer Gruppe, was für einen solchen Austausch sehr wichtig ist. Auch die Lehrkräfte, die uns begleitet haben, erwiesen sich als sehr geduldig und verantwortungsbewusst.

Für unsere Austauschschüler in Beruwala ist dieser Austausch ebenfalls etwas ganz Besonderes. Viele von ihnen haben noch nie ihr Land verlassen und fliegen nächstes Jahr, wenn sie uns besuchen kommen, zum ersten Mal. Wir haben alle täglich Kontakt, woran man merkt, wie wichtig dieses Programm auch für die Schüler vom Wisdom College ist. Ich denke, wir hatten alle eine unvergessliche Zeit, und freuen uns bereits auf den Gegenbesuch der Austauschschüler im Frühjahr nächstes Jahr.

Leonie Heller, E1b

 

Die Schüleraustauschbegegnung wurde u.a. aus Mitteln der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) des Auswärtigen Amts gefördert und durch den Pädagogsichen Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz unterstützt.